Ideen, Erfindungen und Patente waren die Themen, über die Shmuel Ur bei der heutigen Ringvorlesung1 referierte. Eigentlich ein interessantes, da kontroverses Thema, wenn es denn auch kontrovers oder zumindest überhaupt diskutiert werden würde.
Ich war jedenfalls von der Patentbegeisterung nicht überrascht, die der ehemalige IBM Master Inventor (so die IBM interne Berufsbezeichnung) im Hörsaal 01 des Campus Griebnitzsee versprühte, ist es doch schließlich seit Jahren – sowohl damals bei IBM als auch nun als Chef seiner eigenen Firma2 – seine Haupttätigkeit patentfähige Ideen zu produzieren, sich diese zu sichern und anschließend gewinnbringend zu verkaufen. Ich für meinen Teil stehe der ganzen Patentgeschichte (insbesondere im Bezug auf Software) äußerst skeptisch gegenüber, schränken Patente doch in erster Linie Wettbewerb und somit (auch wissenschaftlichen) Fortschritt, zugunsten der Kapitalgewinnung, ein.
Natürlich ist mir bewusst, dass die Patent-Idee im Grunde interessante Ziele verfolgt: Investiert jemand viel Zeit, jahrelange Forschung und bergeweise Geld in innovative Entwicklungen, soll er dafür auch durch zeitlich begrenzte Sonderrechte von der Gesellschaft entlohnt werden. Wenn Global-Player wie IBM, Apple, Microsoft, etc. heute allerdings eine enorm große Menge Patente im Jahr anmelden, nur um ihre Marktmacht zu verteidigen und so Start-Ups im Keim ersticken oder aufkaufen (und sich auf diese Weise Konkurrenz vom Halse halten), steht dies in meinen Augen in keiner Relation mehr zu dieser ursprünglichen, vielleicht sogar ehrenwerten und begründbaren Idee!
Ich für meinen Teil würde es jedenfalls begrüßen, wenn Firmen endlich, anstatt einen beachtlichen Anteil ihres Kapitals in die Sicherung von Patenten zu stecken, dieses Geld in die Forschung und Wissenschaft, sowie Förderung von Bildung und Ausarbeitung von Industriestandards stecken würden. Sie könnten als leuchtendes Open-Knowledge-Vorbild in die Geschichte eingehen. Ein bisschen Träumen darf doch wohl noch erlaubt sein, oder?!
- Die Ringvorlesung Medienproduktion im Wandel ist „eine interdisziplinäre Veranstaltung des Instituts für Informatik der Universität Potsdam (UP) und der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf (HFF) im Rahmen des Stiftungsverbundkollegs Informationsgesellschaft der Alcatel-Lucent Stiftung für Kommunikationsforschung” (Rebensburg 2011). [↩]
- Shmuel Ur Innovations Ltd, ur-innovation.com [↩]