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Web 2.0

Der Erfolg des Begriffes Web 2.0 liegt in erster Linie darin, dass seine Bedeutung genauso vielschichtig ist wie die Zusammenhänge, in denen er gebraucht wird. Als Bezeichnung für das Internet der nächsten Generation auf einer Konferenz vom O’Reilly Verlag1 und der MediaLive International im Jahre 2004 geprägt, wurde er als Marketing-Begriff und Trendwort weltweit übernommen. Seitdem wird keine Entwicklung im Bereich des World Wide Web nicht mit dem neuen 2.0-Charakter in Verbindung gebracht und kaum ein Autor von Themen rund um Technologien der modernen Informations- und Kommunikationsgesellschaft kommt ohne die Nennung des neuen Schlagwortes aus. So listet die Buchsuche auf der deutschen Webseite des weltweit agierenden Online-Warenhauses Amazon.com, Inc. im Juni 2011 über 850 Publikationen, die den Begriff Web 2.0 im Namen tragen oder direkt mit ihm assoziiert sind. Auf der US-amerikanischen Seite sind es über 2.700! Doch bevor die Mechanismen, Prinzipien und Ideen, die sich hinter dem Buzzwort verbergen, benannt und analysiert werden können, ist es notwendig zunächst seine Herkunft und Bedeutung näher zu untersuchen.

Definition

Ähnlich der Fülle an Literatur rund um den Begriff gibt es viele verschiedene Versuche Web 2.0 zu definieren oder zu charakterisieren. Als Erfinder des Web 2.0-Begriffes gilt Tim O’Reilly, der in seinem Artikel „What Is Web 2.0” (O’Reilly 2005) versuchte, neue Konzepte im World Wide Web zusammenzufassen und gegen das alte Web abzugrenzen, da er der Meinung war, eine Art evolutionären Schritt beobachtet zu haben. Infolgedessen stellte O’Reilly zum Beispiel die im sogenannten Web 1.0 vorherrschenden persönlichen, oft statischen Webseiten dem neuen Blogging-Konzept gegenüber, oder isoliert im Vergleich zum althergebrachten reinen Konsumieren von Inhalten partizipative Verhaltensweisen. Auffällig ist, dass O’Reilly technologische Neuerungen, die die neue Nutzung des Webs erst ermöglichten, zwar benennt, den eigentlichen Schwerpunkt des Web 2.0 allerdings bei den sich daraus entwickelten neuen Ideen und Nutzungsweisen fest macht. So sieht er die strategische Neuausrichtung des Webs nach der Dot-Com-Krise2 in der Nutzung als eine Plattform für, durch den Benutzer kontrollierte Dienstleistungen beziehungsweise Web-Services und beschreibt, dass neben einer kosteneffektiven Skalierbarkeit („Cost-effective scalability”) und weiteren Eigenschaften auch eine Architektur der Partizipation („Architecture of Partizipation”) sowie ein Zunutze machen der kollektiven Intelligenz („Harnessing collective Intelligence”) zu den Kern-Kompetenzen des neuen Webs zählen (vgl. Abbildung Web 2.0 Mind-Map).

O'Reilly, Web 2.0 Map

Web 2.0 Mind-Map

Auch wenn Oreilly diesen Prinzipien einen besonders wichtigen Stellenwert für die Charakterisierung des Web 2.0-Begriffes zuweist, bleibt er jedoch bewusst ungenau in seinen Ausführungen und bietet somit eine Basis für Kritiken, Ergänzungen und vielfältige Interpretationen. So beschreibt beispielsweise der BITKOM3 Web 2.0 vordergründig nicht als neues Nutzungsprinzip des Internets, sondern als Organisationskonzept, das „die Vernetzung von Personen, Sachen und Dingen besser, einfacher und kostengünstiger” (Kaczorowski u. a. 2008, S.4) vorantreiben kann und erweitert somit den Grundgedanken der kollektiven Intelligenz um die konkrete Idee des hierarchiefreien, weltumspannenden und verknüpften Wissens. Auch Friedman sieht die, auf neuen Werkzeugen und Technologien basierende, permanente Vernetzung der Informationen als wichtige Charakteristik des neuen Webs, da diese nicht nur Grundlage für die Entstehung einer kollektiven Intelligenz ist, sondern vor allem für neue Geschäftsmodelle mit neuem finanziellem Potential (Friedman 2008, S.27f). Im Gegensatz dazu versucht Roggenkamp die Begrifflichkeit Web 2.0 nicht weiter aufzublasen, sondern sie genauer zu definieren, indem er die Fragen nach dem wie und wodurch außen vor lässt, den O’Reilly’schen Ansatz auf ein Minimum herunterbricht und damit schließt, dass das Web 2.0 der Prozess der aktiven Integration des Nutzers in das World Wide Web sei (Roggenkamp 2010, S.39). Ein Vergleich der Aussagen macht deutlich, dass verschiedene Autoren zwar je nach ihrem Interessengebiet mitunter unterschiedliche Konsequenzen aus ihren Betrachtungen ziehen, ihr Ausgangspunkt, also die durch O’Reilly geprägten Prinzipien, allerdings eine einheitliche Basis bilden. Das öffentliche Internet wurde somit zum Mitmach-Web erklärt, das durch Grundsätze wie Aktiv statt Passiv, Das Web sind wir, Je mehr mitmachen, desto besser das Angebot und Nichts ist endgültig geprägt wird (Kaczorowski u. a. 2008, S.9f). Web 2.0 setzt sich also aus einer Reihe von Konzepten zusammen, die das Miteinander fördern und neue Nutzungsmöglichkeiten des Internets erlauben.

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Die komplette Arbeit ist unter einer Creative Commons Lizenz (CC BY-NC 3.0) lizensiert und steht als PDF-Dokument zum Download bereit: Web 2.0 und politische Partizipation. Für über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse schreib mir!
  1. O’Reilly ist ein weltweit bekannter Verlag, der Bücher über Computertechnologien für Entwickler, Administratoren und Anwender publiziert, vgl. www.oreilly.de. []
  2. Dot-Com-Krise ist ein Kunstbegriff, der auch als Dot-Com-Blase in die öffentlich Wahrnehmung eingegangen ist und das Scheitern von überbewerteten Geschäftsmodellen im Internet und den damit zusammenhängenden Aktienkurseinsturz von Internet-Unternehmen rund um das Jahr 2000 beschreibt, vgl. www.manager-magazin.de []
  3. Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. []

Autor: Jan

Jan ist Master-Student am Institut für Informatik der Uni Potsdam, arbeitet als Software-Entwickler bei einem mittelständischen berliner Unternehmen und bloggt zu Street Art, Graffiti & Urbanismus.

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