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Web 2.0

Kollektive Intelligenz

Zentrales Prinzip des neues Webs ist die Förderung und Nutzung kollektiver Intelligenz. Diese äußert sich insbesondere in der Akkumulation und Verwertung von sogenanntem User-Generated-Content1 in den unterschiedlichsten Facetten. Als populäre Beispiele können an dieser Stelle beispielhaft der PageRank-Algorithmus von Google, die Online-Enzyklopädie Wikipedia oder das Online-Versandhaus Amazon genannt werden, wobei die simple Idee hinter allen diesen Diensten in wenigen Worten zusammengefasst werden kann – sie nutzen das Wissen, die Interessen und die Kreativität ihrer Nutzer, um das eigene Angebot zu verbessert. Während Googles PageRank nicht ausschließlich die zu indexierenden Web-Dokumente bewertet, sondern auch die Häufigkeit der Verlinkung auf anderen Seiten, also die Empfehlung anderer Nutzer, indirekt in die Klassifizierung einfließen lässt und somit die Suchergebnisse der eigenen Suchmaschine optimiert, nutzt die Wikipedia das Wissen der Nutzer direkt, indem diese kollaborativ Inhalte einfügen, korrigieren und ergänzen können (Friedman 2008, S.37ff ). Der Erfolg von Amazon wiederum basiert auf dem extensiven Angebot von Bewertungs- und Empfehlungsmechanismen, die es Nutzern zum Beispiel ermöglichen, Produktbeschreibungen um eigene Rezensionen zu erweitern, die die Kaufentscheidungen anderer Nutzer unmittelbar beeinflussen können. Gemein ist diesen Online-Diensten, wie auch den meisten anderen Services, die auf User-Generated-Content setzen, dass auf der einen Seite ihr mittelbarer Erfolg von der Zuarbeit der Nutzer abhängig ist und die Dienste auf der anderen Seite umso attraktiver für die Nutzer werden desto mehr Personen mitmachen. Web 2.0-User entscheiden auf diese Weise selbst über Erfolg oder Misserfolg eines neuen Web-Services beziehungsweise eines Geschäftsmodells.

Nebenerscheinungen dieser, oft durch die kommunikative Interaktion von Individuen entstehende Weisheit der Massen (Wisdom of Crowds (O’Reilly 2005)) sind die Ethik der Kooperation und die sogenannte Folksonomy2. Während erstere die neue Rolle der Diensteanbieter als Vermittler zwischen den Nutzern beschreibt, deren Aufgabe es ist Ressourcen zu bündeln und für Verfügbarkeit zu sorgen (Friedman 2008, S.39f ), charakterisiert Folksonomy das Konzept der kollaborativen Verschlagwortung, bei der Nutzer Inhalte frei mit Begriffen assoziieren können und somit zur besseren Einordnung von Fotos, Videos, Texten oder anderen Inhalten beitragen (Roggenkamp 2010, S.24f).

Durch das Web 2.0 kommt es folglich zu einer immer stärker werdenden Aufhebung des klassischen Sender-Empfänger-Prinzips, bei dem idealtypisch ein aktiver Sender, der eine Nachricht übermitteln wollte, einem oder mehreren passiven Empfängern gegenüberstand. Die zunehmende demokratischere Verteilung von Wissen und Meinungen, die auf den von Oreilly zusammengefassten Kernkonzepten fußt, dass aus Empfängern auch Sender werden, da ihnen nun die dazu notwendigen Kommunikationsmittel zur Verfügung stehen, birgt Chancen der Wiederbelebung demokratischer Kompetenzen (Kiellisch 2010). Mit Blogs, Wikis, Social Communities und Crowdsourcing werden im Folgenden einige ausgewählte Web 2.0-Konzepte und Kommunikationsmittel, durch welche diese Entwicklung erst möglich gemacht wurde und die somit zu den heutigen Grundbausteinen des interaktiven, sozialen Webs gehören, stellvertretend für das gesamte neue WWW3, näher betrachtet.

  1. User-Generated-Content grenzt sich als antonym vom sogenannten Provider-Generated-Content ab und bezeichnet somit eine durch Nutzer freiwillig erbrachte Erweiterung des Inhalts einer Webseite. Neben dem veröffentlichen von Videos, Fotos und eigenen Texten zählen dazu zum Beispiel auch (Meinungs-) Kommentare, Bewertungen oder das Teilnehmen an Umfragen. []
  2. Der Begriff Folksonomy setzt sich aus den englischen Begriffen Folks (Leute) und Taxonomy (Klassifizierung) zusammen. []
  3. World Wide Web []

Autor: Jan Brennenstuhl

Jan studiert Informatik (Master) an der Uni Potsdam, arbeitet als Software-Entwickler bei einem mittelständischen berliner Unternehmen, ist leidenschaftlicher Hobby-Photograph und interessiert sich für Streetart und Graffiti.

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